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👍Ja, mir darf es schlecht gehen!👎



Ich bin es leid, dass viele denken, ich würde besonders stark sein, ich wäre gar nicht mehr "so krank", bei mir geht es doch stetig Berg auf. Natürlich nehme ich Ratschläge an und gehe ihnen nach. Ich gehe raus, ich mache Sport, ich ernähre mich gesund, ich lese Bücher, ich schminke und style mich, ich nehme mir Zeit für mich, ich bin nett zu anderen, ich habe eine Struktur, ich bemühe mich, wieder Spaß am Leben zu haben, ich rede über das alles hier! Aber was dabei vergessen wird. Das alles, was ich tue, dass tue ich nicht jeden Tag und kann auch nicht entscheiden, wann mir danach ist, nein! Ich gehe vielleicht heute spazieren und die nächsten 2 Wochen schaffe ich es keinen Schritt vor die Haustür zu setzen. Ich habe vielleicht gestern Sport gemacht und mich danach gut gefühlt, aber heute will ich es genau so nochmal machen und mein Körper fällt um, wie ein nasser Sack und all die Kraft, die gestern da war, ist heute wieder weg. Ich koche für mich, ein tolles Rezept, aber ich koche direkt in größeren Mengen, weil ich weiß, dass ich die nächsten Tage nicht die Kraft habe, mich wieder an den Herd zu stellen. Ich mache mich heute hübsch mit Schminke und frisiere meine Haare, aber spätestens abends, wenn ich mich wieder abschminke hinterfrage ich :"Wozu habe ich das heute eigentlich gemacht? Für mich? Für die anderen? Um mich gut zu fühlen? Und hat es sich gelohnt? Mich dafür zu schminken, dass ich jetzt alles wieder mühselig runter schrubben muss?" Und so kommt es dazu, dass ich am nächsten Tag zum Jogger und nem Zopfgummi greife. Ich mache mir einen Caramel Macchiato und setze mich dann auf das Sofa, bis mein Glas leer ist. Aber danach ist alles wieder wie vorher - der Druck, die Zweifel, die Gedanken, die Gefühle - es war alles nur für einen kurzen Moment "in Ordnung". Ich bin im Supermarkt und an der Kasse schubst mich jemand (natürlich ausversehen), da schaue ich denjenigen an und wenn er sich enschuldigt, dann grinse ich und sage :"Kein Problem". Aber sobald ich den Laden verlasse, platze ich vor Wut und fluche laut vor mich hin:"Dieser Spast, kann der nicht mal aufpassen?! Und dann tut er auch noch so unschuldig und ist so ekelhaft nett mit seinem "Entschuldigung". Das kann er sich in den Arsch stecken!" Doch das alles kann ich ihm nicht ins Gesicht sagen. Die Angst, dass er mich für verrückt hält oder meine Nerven dem Ganzen dann nicht standhalten und ich wieder diejenige bin, die dann weinend wegläuft, die ist einfach zu groß. Ich habe eine Struktur in dem ich zumindest morgens aufstehe und dusche. Aber ich kann nicht stolz auf mich sein, wenn ich das geschafft habe. Nein! Ich finde immer irgendwas. Entweder bin ich nicht um 10:00 Uhr, sondern um 10:10 Uhr aufgestanden oder ich bin nicht direkt duschen gegangen, sondern habe mich noch für eine Stunde auf den Badezimmerboden gesetzt, weil mir dir Kraft fehlte aufzustehen. Und der Spaß am Leben, der ist auch ab und zu mal da, aber der bleibt genauso wenig, wie all die anderen Dinge! Und dann rede ich über das alles, so wie jetzt. Wie es mir geht, wie ich mich fühle, was ich denke. Aber für mich ist das nicht ein "Oh-wie-cool-das-ich-das-kann-Gefühl" sondern eher ein "Warum-versteht-mich-denn-keiner-wenn-ich-schon-alles-erzähle-Gefühl". Aber wisst ihr was? Das alles ist nun mal so. Das alles gehört zu mir, zu meiner Krankheit, zu meinem Genesungs-Prozess, zu meinem derzeitigen Leben! Und das darf auch so sein. Das alles darf so sein, die Zweifel, die negativen Gedanken, die Kraftlosigkeit und ja, auch ich darf mal aufgeben und sagen :"Nein, ich kann das nicht." oder "Nein, das schaffe ich jetzt nicht und ich möchte das auch nicht." Das alles ist okay und muss akzeptiert werden. Denn nur, weil ich einige gute Tage habe, vielleicht sogar hintereinander, heißt das doch noch lange nicht, dass ich plötzlich wieder funktioniere. Das heißt nicht, dass ich die Tage überstanden habe, an denen ich aufwache und nach dem Sinn des Lebens suche. Die Tage, an denen alles scheiße ist und mir nur nach weinen zumute ist. Die Tage, an denen mir jegliche Kraft für alles fehlt. An denen ich plötzlich wieder sehr nachdenklich werde, ob das alles überhaupt gut so ist, wie es ist. Ob ich mein Leben überhaupt "Ok" so finde, wie es ist. Ob ich mich überhaupt noch ein bisschen leiden kann oder mich der Selbsthass wieder zerfrisst. Wenn ich weine, möchte ich trotzdem so behandelt werden, als würde ich das erste mal in meinem Leben weinen und nicht nur, weil ich vielleicht immer mal so weine, alles abgetan wird als: "Ach, sie hört gleich wieder auf zu weinen, dass ist nur son kurzer Moment". Auch wenn es keinen Grund für diese plötzliche Traurigkeit gibt oder für diese plötzlichen Wutausbrüche... Trotzdem sind sie da und auch ich habe verdient, dass man es genauso ernst nimmt, wie bei einem "Gesunden". Das Recht nehme ich mir raus. Wenn euch gefällt, was und vorallem wie ich schreibe, dann zeigt es mir mit einem Daumen nach oben :-) Gerne dürft ihr auch Kommentare verfassen, ich freue mich immer sehr über eure Gedanken, Gefühle und Meinungen zu meinem Blog ! :-) Eure Charis


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