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Der Umgang mit meinem Borderline-Anteil



Jeden Tag bekomme ich auf Facebook und Instagram zahlreiche Nachrichten von vielen Partnern und Angehörigen, die einfach verzweifeln an dem Verhalten des "Borderliners". Und doch decken sich alle Nachrichten und haben zu 99% den gleichen Inhalt. Warum das so ist? Weil der Borderline-Anteil sich gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen ähnlich ausdrückt. In diesem Blog-Post möchte ich euch Situationen beschreiben, die viele von euch kennen werden, wenn sie bereits engeren Kontakt zu einem Menschen mit Borderline hatten. Aber nicht nur das, ich möchte euch auch erzählen, wie ihr dann damit als Angehöriger oder Partner umgehen könnt. Natürlich kann es sein, dass meine Tipps nicht bei jedem das gewünschte Verhalten zeigt, aber die Psyche ja auch ein komplexes System, was etwas Individualität bedarf. Ich verfasse die Beispiele aus einer Beziehungssituation heraus, wo er der "Gesunde" und sie die "Betroffene" ist.

Die ersten Wochen oder auch Monate ist alles rosig und ihr habt das Gefühl, ihr könntet gar nicht glücklicher miteinander sein. Was haben die Leute immer nur für böse Vorurteile gegen Borderliner? Meine Freundin ist ganz anders. Doch nach ca. 2 Monaten kippt es dann oft. Es kommen die ersten Streitigkeiten und aus einer üblichen WhatsApp mit der Frage: "Hey mein Schatz, wie geht's dir so und was machst du gerade?" kann ein riesiges Drama werden.

Die Betroffene fühlt sich auf einmal total kontrolliert und ist mega genervt von der Beziehung. Dann kommt als Antwort: "Boah ist das dein Ernst? Ständig kontrollierst du mich und musst immer alles wissen! Du scheiß Kontrollfreak!" - so oder so ähnlich. Und schon weiß der Partner gar nicht mehr was um ihn geschieht. Er will die neue Beziehung nicht auf die Probe stellen und fragt sich, was er falsch gemacht hat, was er nur tun kann, damit sie nicht mehr denkt, er würde sie kontrollieren wollen. Er will doch nur ihr Bestes und nichts Böses.

So könnte dann auch die Nachricht lauten, die er ihr als Antwort schickt. "Was ist denn los? Ich wollte doch nur wissen, wie es dir geht? Ich liebe dich doch und will dir nichts böses.😞" Eine völlig menschliche Reaktion, allerdings aus meiner bisherigen Erfahrung ein fataler Fehler. Die Nachricht mit dem "Du scheiß Kontrollfreak" kam nicht von der Partnerin. Sie kam von ihrem Borderline-Anteil. Und dieser Anteil hat nur ein Ziel, nämlich: emotionale Zerstörung! Aber gar nicht mal, weil der Partner jetzt irgendwas schlimmes gemacht hat, das ganze stellt sich aus mehreren Aspekten zusammen. Da spielen Verlustängste, bisherige Erfahrungen, starke Emotionen und ein verzerrtes Wahrnehmungsbild mit rein.

Sie wird oft danach schauen, ob der Partner online ist, ob er ihr dann schreibt oder nicht, wie lange er braucht, nachdem er online ist, um ihr zu schreiben, lauter solche Dinge. Weil der Verstand aber irgendwo weiß, dass das kein normales Verhalten ist, dreht der Borderline-Anteil den Spieß einfach um. Dieser Anteil kontrolliert ihren Partner und gibt ihm die Schuld dafür. Sie projiziert ihr Verhalten auf ihn, um wieder in der Opferrolle zu stehen und den Partner zu manipulieren. Der Borderline-Anteil will einfach die Macht über alles haben, was sie verletzen könnte und gerade Menschen, die man liebt, können einem da ganz gefährlich werden.

Und um das zu verhindern tut dieser Anteil alles dafür, dass sie sich durch ihr eigenes Verhalten schlecht fühlt. So hat sie allem Anschein nach die Kontrolle über das Geschehen, was rational gesehen so natürlich nicht stimmt. Dieses Gefühl löst dann wieder das Gefühl aus, dass wir uns selbst noch spüren können. Die innere Leere, die man oft hat, wird wieder gefüllt und dafür braucht es leider extreme und tiefe Gefühle, weil alles andere nicht richtig ankommt. Wir befinden uns dann im Selbstzerstörungs-Modus. Zugleich ist die Liebe, die wir von einem Menschen bekommen sowas wie ein Lebenselixier für uns. Wir brauchen Liebe, Anerkennung und Lob, wie andere die Luft zum Atmen. (Borderline - Die Sucht nach Liebe!) Und gleichzeitig ist da der Anteil, der genau den Menschen, der uns das gibt, von uns fernhalten will, weil der uns halt auch sehr, sehr wehtun kann und das wollen wir nicht. Es ist ein innerer Kampf, den sich niemand vorstellen kann, wenn er ihn nicht selbst schon einmal gefühlt hat.

Doch was kann man dann antworten, wenn die Partnerin so reagiert? Am besten etwas, womit sie nicht rechnet und worauf sie nicht vorbereitet ist. Nichts, was die Wut steigern könnte oder euch in eine Diskussion verfallen lässt. Zum Beispiel: "Hmm. Du scheinst heute einen nicht so guten Tag zu haben, das tut mir leid. Wenn du magst können wir später gemeinsam ein Eis essen gehen oder einen Spaziergang machen? Ich würde mich freuen." Sie wird irritiert sein, warum du nicht auf ihre Stichelein eingehst und das Spielchen mitspielst, was sich ihr Borderline-Anteil doch schon so schön ausgemalt hat. Und es wird sie vorerst zum Nachdenken anregen, was im besten Fall dazu führt, dass sie aus dem aktuellen Schub rauskommt und wieder klare Gedanken fassen kann. Natürlich funktioniert das nicht, wenn die Partnerin nicht erkennt, dass es eine Erkrankung ist und nichts ändern will. Es braucht zusätzlich professionelle Hilfe, die ebenfalls mit ihr erarbeitet, dass sie lernt solche Impulse besser wahrzunehmen und anders damit umzugehen.

Borderline ist und bleibt ein sehr komplexes Thema, was auch nicht immer zu verstehen ist. Vieles scheint hoffnungslos, aber ich selbst arbeite nun seit 8 Jahren intensiv mit therapeutischer Unterstützung an mir und meinem Verhalten und es wird besser. Ich lerne immer wieder auf's neue, dass ich nicht eine Borderlinerin bin, sondern Borderline ein Teil ist, der zu meinem Leben gehört. Das einzige ist, dass ich lernen muss diesen Teil anzunehmen und ihm nicht die volle Kontrolle über mich und mein Leben zu geben. © Charis' Lifestyle Instagram YouTube Facebook Onlineshop


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